Herr Hesselbach und ...
(Folge 52)

... der Computer

oder auch

"Cyber-Babba'"

- 1 -

Babba knodderte vor sich hin. "Was muss ich Olwel* auch widder zurick in die Firma, die ich fer vill Geld zurickgekaaft habb? Soo mies war's dehaam bei de Mamma aach net! Was mussd ich aach den Rudi zum Prokuriste mache? Welcher Deifel hat mich da geridde?".

(* Olwel = Hessisch, soviel wie Trottel, Idiot)

Er kratzte sich auf dem Kopf, auf dem sich nur noch wenige Haare tummelten. "Was schreibt der Bub da? Was fer Geschenke? Pressens? Der will wohl damit aagebbe, dass er Englisch uff de Hannelschul gehabt habe tun hat. Ach, nee, da steht ja 'Präsenz'! Warumm schreiwt er dann net 'Aaweseheit', wie's jeder schreiwe dut, der wo richtig Deutsch schreiwe könne dut!"

"Unn was soll des mit dem 'Innernet'? Ich binn immer nett, bis aaf die Male, wo ich net nett bin, abber die hat ja jeder, nur ich e bissje öfter."

Memo vom Prokuristen Rudi an den Herrn Direktor Hesselbach

Sehr geehrter Herr Direktor Hesselbach!
Als ich gestern abend im Internet surfte, stieß ich unter anderem auf die Webseiten einiger Bekannter.
Kunden und ehemalige Mitarbeiter..
Vertreten waren unter anderem die Stadtverwaltung Steintal,
die Unternehmensberatung unseres ehemaligen Prokuristen Lindner,
die Steuerkanzlei der Damen Frieda Lahmann und Emmi Puchel,
die gesammelten Rezensionen der berühmten Schriftstellerin Pinella
und allen voran das Kaufhaus Dengler, sogar mit einem E-Shop.

Ich bin der Meinung, dass auch unsere hochangesehene Firma eine eigene Internet-Präsenz haben sollte.
Wir sind schließlich wer und das seit sehr langer Zeit!
Ich schlage also vor, dass die Firma Hesselbach eine eigene Website im Internet bekommt.
Eine eigene Email-Adresse für Kundenpost sollten wir schon längst haben.

Hochachtungsvoll
Prokurist Rudi

"Was maant er dann dademit: Email-Address? Frieher hatte mer e Email-Dibbche. Ich glaab, des hatte mer immer unnerm Bett, wann mer es net mehr zum AB* geschafft habbe. Abber wann un wo des war waas ich beim beste Wille net mehr! Wozu braacht er die Address von dem aale Dibbche? Un da will er die Post eneitun? Ins AB-Dibbche? Der spinnt, der Bub!"

(* AB = Hessisch, kurz für Abtritt, Toilette)

- 2 -

"Ei, Kall, jetz bleib doch emal ruisch da stehe! Wie soll isch disch denn knibbse, wann du immer hin un her wackelst wie en Wackelpeter? Du willst doch mit deim Schwellkopp im Innernet zu sehe sei!"

"Jetz isses aber genuch! Du hast ja ibber ferzig Fotos von mir gemachd! Da werd doch aa anziges gudes dabei sei! Jetzt heer uff un ruf mer de Rudi. Der wollt die Seit habbe, soll er sich aach drum kimmere."

Spontan nach 8 Wochen hatte der Prokurist Rudi alles zusammen, was auf die Webseite sollte. Der Chef wollte aber erst alles sehen und sein OK geben. Als erstes flogen alle Belegschaftsfotos bis auf seins heraus. "Merr wolle unsere Kunde doch net erschrecke!".

"Eichentlich isses gans eifach. Kligge unn dann 'Entf' dricke! Unn scho iss die hesslich Visasch verschwunne".

 

- 3 -

"Ei, wo hab ich denn da gekliggd? Was secht er da? 'Sollen wirklich alle Dateien gelöscht werden? Ja, Nein' Unn was mach ich jetzt?"

Ein großer Schatten fiel über den Bildschirm. Mamma!

"Ei, Kall, des iss doch ferchterlich simpel! Hättste doch mittem Minzebercher zusamme damals de Computerkurs bei de Folkshochschuhl gemacht! Da wisstest de jetzt, dass de nur da kligge misstest!"

Sprach's, übernahm die Maus und klickte auf den Ja-Knopf. Fassungslos guckte Babba zu, wie eine Datei nach der anderen angezeigt wurde und das Bildchen einer zerplatzenden Datei erschien.

"Mamma, jetzt hasde die Abbeit von zwaa Monat in aaner Sekund gelescht! Jetzt kann ich widder von forne aafange!"

"Ei, Kall, warum haste da nix gesacht. Ich konnt doch net wisse, dass ich das net gederft hab. Du hast mer nix gesacht. Du sachst mir ja nie was. Mir redde nie mehr zusamme. Unn jetzt sach blos net, dass ich schuld bin. Immer binn ich schuld, aach wenn ich net schuld bin. Wie ebbe. Da war ich aach net schuld. Ich war noch nie schuld. Net schuld am Herrsch unn net schuld am Loch im Deckche unn aach net am Dreckrändche am Dibbsche."

"Marieche, wann du so am Schenne bist, waas ich, warum des beim Compuder Mecker-Bytes haast. Unn Gigger-Bytes iss dess daaa dann wenn e sechsisches Fussball-Spiel gespielt werd?".

"Wenn ich was sage dürft" meldete sich Herr Münzenberger, der unbemerkt durch die offene Tür eingetreten war und in seiner bescheidenen Art sich nicht gemeldet hatte, um nicht zu stören.

"Herrrr Minzebercher" schnarrte Herr Hesselbach, "mir habbe hier e Krise und ich habb kaan Kopp für annere Probleme!"

"Aber, Sie müsse doch nor alles von de Datesicherung zurückhole!"

"Menschenskinner, warum habbe Sie mir des net frieher gesacht? Ich hab mer fast en Herzkasper geholt. Un mit fast neunzich is des kee Sießstofflecke! Wo iss dann die Dadesicherun, ei wo isse dann? Wer hat se dann?"

 

- 4 -

"Ei, werglich, Herr Hesselbach, ich schmaß doch so wichtich Zeich mei Lebe net wech. Da bin ich vill ze forsichtig dafer! Ich abbeit hier schon ibber fiffzig Johr und habb noch kaa aazig wichtich Sach weggeschmisse. Unn scho garnet e Datesicherun!"

Frau Siebenhals war empört. Mit Schmackes warf sie den Putzlappen in den mit Schmutzwasser gefüllten Putzeimer, so dass alle Anwesenden etwas abbekamen.

"Was isch immer schonn frache wollt: was issen des, e Datensicherun? Wie sieht des denn aus?"

"Herr Hesselbach, isch muss misch beschwärn!".

"Fraa Lohmeier, jetzt net! Sehe Se dann net, dass isch bescheftigt bin? Odder wisse Sie, wo die Datesicherun iss?".

"Wieso isch? Isch wisst net, was ich mit Ihne Ihrn Date ze tuu gehabt hett!".

"Isch muss doch nochema frache: wie sieht'n die Sicherung aus, wie die klaane Dinger fier die Elektrisidet in maaner Wohnung?".

"Jetzt muß ich doch mal die Stimme der Vernunft hier zur Geltung bringen. Frau Siebenhals: die Datensicherung ist eine kleine schwarze Diskette. So ein flaches Ding, 9 Zentimeter mal 9 Zentimeter. Haben Sie also jemals so etwas weggeworfen, Frau Siebenhals?" warf Herr Chefredakteur Betzdorf ein.

"Naa, werglich net!".

"Ei, wo iss dann bloss die bled Diskett'? De Willi unn saa Fraa dribbe bei de Ammis ham sich so gefreit unn der Peter unn die Annelis unn die Heidi wollde aach emal gucke, was de olle Babba so dut.".

Durch das ganze Büro schreiend: "Frollein Sauerbersch, habbe Sie die verflixte Diskette?"

Verneinendes Kopfschütteln.

 

- 5 -

Krachend warf Babba Hesselbach die Türe zu.

"Ich kennt merr in die Stirn beiße. Ich waas, dess is net so eifach. Abber wann ich mich aufen Stuhl stelle du, dann misst es gehe!".

Leise und zaghaft klopfte es an die Tür. Als Babba nicht antwortete, öffnete sich die Tür langsam. Vorsichtig lugte ein blonder Schopf um die Ecke. Der neue Lehrbub.

"Ei, Schorsch, jetzt net!".

"Abber Herr Direkdär" schnarrte der Lehrbub. "Sie wollde doch ..."

"Ich wolld, ich wolld, ... ich wolld, ich hett die gans Weppseit net gemacht. Jetzt isse weg. Die ganz Abbeit umsonst!"

"Abber villeicht suche Se das hier?"

Schorsch hielt dem Chef einen ganzen Stapel Disketten entgegen. Alle säuberlich beschriftet mit "Datensicherung Website 1 vom ...", "Datensicherung Website 2 vom ..." bis zu "Datensicherung Website 45 vom ..." mit dem gestrigen Datum.

"Bub, wo haste dannn all die Diskette her?"

"Sie habbe merr damals gesacht, dass isch die Diskette von der Sicherun gud aufhebe solld. Unn dess habb ich gemacht. Isch bin jede abend in ihr Birro unn habb die Sicherungsdiskett genomme. Unn dann habb ich se nach dehaam mitgenomme. Also, Herr Direkdär, wann ich noch mehr Diskette mit nach dehaam nemme misst, dann misst die Ferma mir eichentlich endlich ma en Schrank kaafe, die falle mer sonst all nochma vom Kischeschrank ins Milchdibbsche!"

"Bub, wann de e Medsche werst, werrd isch disch knutsche, bis de schielst!"

Und zur Fernsehkamera gewandt, schloß Babba Hesselbach die ganze Angelegenheit ab:

"Also, wann mer e Schenie iss, dann iss mer e Schenie. Wann isch dem Bub net gesacht hett, wass er dun soll, hett er des net geta, wass er geta hadd. Unn wann er dess net geta hett, was er geta hatt, hette merr jetzt kaa Weppseit, was immer dess auch sei soll!

Unn dademit is die Serie Hesselbach widder ma beended. Schaue Se doch in dreissisch Jahr' widder ma rei, wann es heisse tut: 'Herr Hesselbach unn ... sein hunnerdzwanzischste Gebortstach'!"

E N D E

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